Heutzutage werden etliche Apps angeboten, die das Leben der Nutzer vereinfachen sollten. User können über diese u. a. Einkäufe tätigen, Nachrichten versenden, Verträge schließen sowie eine Bankkarte nutzen. Um diese Tätigkeiten technisch umsetzen zu können, bedarf es regelmäßig verschiedener Apps. Viele Anbieter haben sich daher zum Ziel gesetzt, die Funktionalitäten ihrer Apps zu erweitern, damit die Nutzer ihr gesamtes digitales Leben auf einer Plattform führen können, ohne zwischen diversen Applikationen wechseln zu müssen. Den Wunsch, solche sog. Super-Apps auf den Markt zu bringen, haben bereits große Konzerne wie META und X geäußert. Doch wie steht Deutschland diesen Plattformen gegenüber, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz?

Vorbild kommt aus China

Anwendungen, die bereits heute eine Vielzahl von Diensten umfassen, werden bereits auf asiatischem sowie südamerikanischen Markt bereitgestellt.

Als erste Super-App wird häufig die Plattform des chinesischen Anbieters WeChat bezeichnet. Zu Anfang handelte es sich ausschließlich um einen einfachen Messaging-Dienst, der als chinesische Alternative zum westlichen Nachrichtendienst WhatsApp auf den Markt gebracht wurde. Mit der Zeit wurden jedoch die verfügbaren Funktionalitäten erweitert. Heutzutage wird WeChat ebenfalls zu mobilen Zahlungen, Essenbestellung, Reisebuchungen, Rechnungszahlungen sowie als Social-Media-Kanal verwendet.

Eine ähnliche Lösung möchte der Konzern META – zu dem auch WhatsApp, Instagram und Facebook gehören – einführen. Der Messangerdienst WhatsApp wurde um diverse Funktionen erweitert und derzeit auf dem brasilianischen Markt getestet. Die Plattform ermöglicht u. a. Bestellungen, Zahlungen, Bankgeschäfte, Teilnahme an kostenfreien Englischkursen, Vergabe von Krediten sowie Anzeige personalisierter Werbung anhand der mithilfe von KI analysierten Daten aus Sozialen Medien. Mittlerweise seien nach Angabe des Handelsblatts brasilianische Verbraucher der Auffassung, dass Unternehmen, die ihre Dienste auf WhatsApp nicht anbieten, weniger vertrauenswürdig sind.

Vorteile für Anbieter

Seitens der Anbieter besteht ein großes Interesse an der Erweiterung der eigenen Dienstleistungen hin zu einer Super-App. Erstens könnten sie auf der Plattform Waren und Dienste weiterer Unternehmen anbieten und hierfür eine entsprechende Provision abrechnen. Hinzu kommt, dass eine Vielfalt von Angeboten an einer Stelle angezeigt wird. Durch diverse Rabattaktionen und Treueprogramme werden Verbraucher verleitet, eine schnelle und nicht immer gut durchdachte Kaufentscheidung zu treffen.

Zudem können aufgrund des breiten Angebotes zahlreiche Daten der Nutzer – insbesondere zu Präferenzen und Bedürfnissen – gesammelt werden. Auf diese Weise könnte eine personalisierte Werbung ausgespielt werden, die in den meisten Fällen erfolgreicher als ein allgemeines Angebot ist. Zusätzlich dürften bessere Umsatzperspektiven bei größerer Anzahl der Dienste bestehen.

Risiken für Nutzer

Die Bündelung eines breiten Spektrums an Funktionen in einer Applikation ist jedoch mit diversen Risiken verbunden. Je mehr Dienste zur Verfügung gestellt und genutzt werden, umso mehr Informationen über einzelne Nutzer hat die Plattform. Diese können vom Anbieter zu diversen Zwecken verwendet und ggf. an Dritte übermittelt werden.

Ferner könnte eine Super-App auch zu einer Monopolstellung und folglich zu einer Daten-Macht eines Anbieters führen. Sollte es zu einem Ausfall oder einem Cyberangriff auf der Plattform kommen, könnte dieser aufgrund der Anzahl und der Art aufbewahrter personenbezogener Daten mit katastrophalen Konsequenzen verbunden sein.

Schließlich ist nicht auszuschließen, dass die Super-Apps auf längere Sicht auch als Grundlage für die Entwicklung von Super-Assistenten dienen. Diese könnten durch eine Integration diverser Technologien wie maschinelles Lernen und fortschrittliche Sprachverarbeitung das Leben von Nutzern nicht nur organisieren, sondern aktiv steuern.

Zukunft der Super-Apps auf dem deutschen Markt

Laut Umfragen sind die möglichen Folgen vielen deutschen Verbrauchern bewusst.  Insbesondere würden die Risiken im Zusammenhang mit dem Schutz personenbezogener Daten sowie mit IT-Sicherheit sehr ernst genommen. Zudem würde als Gefahr auch die Möglichkeit einer marktbeherrschenden Stellung wahrgenommen. Aus diesen Gründen kann davon ausgegangen werden, dass deutsche bzw. europäische User mit Super-Apps vorsichtig umgehen würden.

Ein weiterer Faktor ist die Gesetzeslage, die die Erbringung der Applikationen auf den deutschen Markt – im Vergleich mit Asien oder Südamerika – deutlich erschwert.

In erster Linie sind datenschutzrechtliche Vorschriften zu beachten. Nach Vorgaben der DSGVO ist jede Verarbeitung personenbezogener Daten verboten, es sei denn, es liegt ein gesetzlicher Erlaubnistatbestand oder eine Einwilligung des Betroffenen vor. Sofern eine wirksame Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung besteht, ist der Verantwortliche zudem verpflichtet, ein angemessenes Niveau zum Schutz personenbezogener Daten – insbesondere durch ergriffene technische und organisatorische Maßnahmen – zu gewährleisten. Ob die Verarbeitung datenschutzkonform erfolgt, kann von zuständigen Aufsichtsbehörden kontrolliert werden, die bei Verletzung unter Umständen auch hohe Bußgelder verhängen können.

Darüber hinaus muss der Umgang mit Zahlungsvorgängen im Hinblick auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung geprüft und genehmigt werden. Der Anbieter der Plattform müsste in diesem Fall nachweisen, dass die Voraussetzungen erfüllt sind.

Zudem sind Kontrollen weiterer Behörden nicht auszuschließen. Insbesondere aufgrund der Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung, die negative Folgen für Innovation, Wettbewerb und Vielfalt des Markts haben könnte, könnte die Plattform ins Visier der Kartellbehörden geraten.

Fazit

Eine App, die eine Vielfalt an Funktionen wie Online-Banking, Supermarkteinkauf und Buchung von Arztterminen ermöglicht, könnte zur Erhöhung des täglichen Komforts führen. Gleichzeitig wäre dies aufgrund der hohen Anzahl der in der Applikation gespeicherten Userdaten, die diverse Sphären des Lebens betreffen, mit signifikanten Risiken verbunden. Dies ist bereits jetzt vielen Verbrauchern bewusst. Darüber hinaus müssten die Anbieter verschiedene gesetzliche Vorgaben erfüllen, um die Plattform auf den Markt bringen zu können. Aus diesen Gründen ist davon auszugehen, dass die Super-Apps nicht zeitnah auf dem deutschen Markt erscheinen werden.