Wenn Kinder am Computer, Tablet oder Smartphone spielen bzw. im Internet surfen und sich in Sozialen Medien wie YouNow, YouTube, Facebook etc. ihre Zeit vertreiben, machen sich inzwischen viele Eltern Gedanken wer, was, wo lesen kann und welche Daten womöglich für Werbezwecke genutzt werden. Ganz zu schweigen von der Problematik, dass nicht alle virtuellen Gesprächspartner „Gutmenschen“ sind. Soweit so bekannt – nun kündigt sich die nächste Runde im Kinderzimmer an. Der Spielzeughersteller Mattel will zum Herbst eine sprechende Barbie auf den Markt bringen. Dabei soll sich die „Hello Barbie“ mit den Kindern „unterhalten“ können. Dazu speichert sie, aktiviert durch sanften Druck auf ihre Gürtelschnalle, alle Gespräche und Geräusche aus dem Kinderzimmer in einer Cloud. Hierzu ist die neue Barbie mit einem Mikrophon, einem Lautsprecher und einer Wi-Fi-Schnittstelle ausgestattet. Die Puppe soll sich dadurch an das Lieblingsessen, die Lieblingsfarbe oder den Berufswunsch der Kinder erinnern können. Anders als etwa bei Siri sind alle Sätze, die Barbie spricht, im Vorfeld aufgenommen worden. Somit wird die etwas technisch klingende Stimme von bisherigen Sprachprogrammen umgangen. Ein Algorithmus entscheidet welche Antwort Barbie gibt. Durch die Speicherung der Gespräche soll die Spracherkennung mit der Zeit immer ausgereifter werden. Die Hoheit über die Daten sollen die Eltern haben. Sie müssen einen passwortgeschützten Account anlegen und können somit auch alles löschen.

Problematisch wird es hier, wenn der Account von Hackern geknackt wird – zugegebener Maßen nicht das wahrscheinlichste Szenario – oder Mattel die Daten für persönliche Werbezwecke benutzt. Noch kritischer sind die Einschnitte in das Persönlichkeitsrecht der Kinder. Alles was sie ihrer Puppe anvertrauen, kann von den Eltern später angehört werden. Dass das der Fall sein wird, ist aus den bisherigen Erfahrungen von Mattel gewiss. Der Geschäftsführer der für die Sprache von Barbie verantwortlichen Firma ToyTalk, Oren Jacob, sagte in einem Interview mit der Deutschen Welle: „Als Eltern können Sie dann hören, was Ihr Kind in der vergangenen Woche zu Barbie gesagt hat. Die meisten Eltern tun das auch – und haben dabei einen Heidenspaß, weil es sehr lustig ist, was die Kinder so alles von sich geben.“

Datenschützer sind besorgt und ein Protestbündnis fordert den Produktionsstopp für „Hello Barbie“. Eine Sprecherin von Mattel versuchte die Wogen auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu glätten. Sie betonte, dass es die Puppe in Europa gar nicht zu kaufen geben wird: “Die Kinder in den USA haben einen völlig anderen Umgang mit Social-Media-Themen. Was in Europa für Empörung sorgen würde, wird dort nicht so kritisch betrachtet.”